Österreichische Osterbräuche: Traditionen, Kulinarik und der Osterhase

In Österreich ist Ostern ein Fest, das tief in christlichen Traditionen verwurzelt ist und von einer reichen Palette an Bräuchen, kulinarischen Genüssen und Geschichten um den Osterhasen geprägt ist....
Birgit Eckert
Birgit Eckert
Österreichische Osterbräuche

Es ist eine Zeit des Neubeginns und der Erneuerung, die sowohl religiös als auch kulturell gefeiert wird.

Die Bedeutung von Ostern und die katholische Kirche

Ostern ist das wichtigste Fest im christlichen Kalender, das die Auferstehung Jesus Christus von den Toten feiert. Nach christlichem Glauben symbolisiert Jesus Auferstehung den Sieg des Lebens über den Tod und die Hoffnung auf ewiges Leben. In Österreich, wo die katholische Kirche tief in der Kultur verankert ist, beginnen die Osterfeierlichkeiten bereits am Palmsonntag, der an Jesus triumphale Einkehr in Jerusalem erinnert. Die Karwoche ist geprägt von verschiedenen Gottesdiensten, darunter der Gründonnerstag, der an das Letzte Abendmahl erinnert, der Karfreitag, der Jesus Kreuzigung gedenkt, und schließlich die Osternacht, die mit der feierlichen Osternachtsmesse den Höhepunkt erreicht.

Der Palmsonntag

Am Palmsonntag beginnt in der christlichen Tradition die Karwoche, die an das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Der Palmsonntag selbst erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem, wo er von der Bevölkerung mit Palmzweigen begrüßt wurde, ein Zeichen des Sieges und des Friedens. In Österreich sowie in vielen anderen christlichen Ländern wird dieser Tag mit besonderen Zeremonien und Bräuchen begangen, die sowohl in der katholischen als auch in den evangelischen Kirchen eine wichtige Rolle spielen.

Das Zeremoniell am Palmsonntag

Der Gründonnerstag

Der Gründonnerstag spielt in der christlichen Tradition eine bedeutende Rolle, da er den Beginn des österlichen Triduums markiert, der drei heiligsten Tage im Kirchenjahr, die das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi gedenken. Dieser Tag fällt auf den Donnerstag vor Ostersonntag und folgt auf den Palmsonntag.

Bedeutung des Gründonnerstags

Der Gründonnerstag erinnert an das Letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen zwölf Aposteln vor seiner Kreuzigung feierte. Bei diesem Abendmahl wusch Jesus in einem Akt der Demut und des Dienens die Füße seiner Jünger und etablierte das Sakrament der Eucharistie. Die Ereignisse dieses Tages sind zentral für die christliche Glaubenspraxis und Theologie, insbesondere für die Sakramente der Eucharistie und der Priesterweihe.

Zeremonien und Bräuche

Der Karfreitag

Der Karfreitag ist einer der wichtigsten und ernstesten Tage im christlichen Kirchenjahr. Er erinnert an die Kreuzigung Jesu Christi und seinen Tod am Kreuz auf Golgatha und ist ein zentraler Bestandteil der Karwoche, die mit dem Palmsonntag beginnt und auf den Ostersonntag zuläuft. Der Karfreitag ist ein Tag der Trauer, des Fastens und der Andacht, der in vielen christlichen Konfessionen, einschließlich der katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen, begangen wird.

Bedeutung des Karfreitags

Der Karfreitag steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens, da das Ereignis der Kreuzigung Jesu als Sühneopfer für die Sünden der Menschheit angesehen wird. Durch seinen Tod am Kreuz wird nach christlicher Überzeugung die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen ermöglicht. Dieser Tag erinnert an das Leiden Jesus Christus, die Opferbereitschaft und seiner unermesslichen Liebe zu den Menschen.

Zeremonien und Bräuche am Karfreitag

Der Karsamstag

Der Karsamstag, auch bekannt als Stiller Samstag oder Heiliger Samstag, ist der Tag zwischen dem Karfreitag, dem Gedenktag der Kreuzigung Jesu, und dem Ostersonntag, an dem Christen die Auferstehung Jesu Christi feiern. Der Karsamstag gehört ebenfalls zum österlichen Triduum, den drei zentralen Tagen vor Ostern, die mit dem Gründonnerstag beginnen und in der Osternacht ihren Höhepunkt finden.

Bedeutung und Tradition

Am Karsamstag befindet sich die Kirche in einer Zeit des Wartens und der Grabesruhe Jesu. Es ist ein Tag der Stille und des Gebets, an dem keine Eucharistiefeier stattfindet, was die Trauer und die Leere nach Jesu Tod widerspiegelt. Der Altar ist schmucklos, und die Sakramentskapelle bleibt offen, um die Abwesenheit des Allerheiligsten zu symbolisieren. Dieser Tag bietet den Gläubigen die Gelegenheit, über das Leiden und Sterben Jesus nachzudenken und sich auf die Feier seiner Auferstehung vorzubereiten.

Liturgie und Bräuche

Obwohl der Karsamstag traditionell ein Tag ohne liturgische Feiern ist, bereitet er auf die wichtigste Liturgie des christlichen Jahres vor: die Osternacht. Die Osternacht beginnt typischerweise nach Einbruch der Dunkelheit am Samstag und markiert das Ende der Fastenzeit sowie den Beginn der Osterfeierlichkeiten.

Ostersonntag

Der Ostersonntag ist der Höhepunkt der christlichen Liturgie und des Kirchenjahres, da an diesem Tag die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert wird. Diese zentrale Glaubenswahrheit ist das Fundament des Christentums und vermittelt die Botschaft der Hoffnung, des neuen Lebens und des Sieges über den Tod. Der Ostersonntag, der auf den Karsamstag folgt, schließt die Karwoche ab und leitet die Osterzeit ein, die fünfzig Tage bis Pfingsten dauert.

Bedeutung des Ostersonntags

Der Ostersonntag erinnert an das leere Grab und die Begegnung der Frauen und später der Jünger Jesu mit dem Auferstandenen. Diese historischen Ereignisse sind in den vier Evangelien des Neuen Testaments dokumentiert und bilden die Grundlage für die Osterfeierlichkeiten. Die Auferstehung Jesu wird als Beweis seiner göttlichen Natur und als Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments angesehen. Sie verkündet den Gläubigen die Vergebung der Sünden und das Versprechen des ewigen Lebens.

Traditionen und Bräuche am Ostersonntag

Der Segen „Urbi et Orbi“

Nach der Ostermesse erteilt der Papst von der zentralen Loggia des Petersdoms aus den Segen „Urbi et Orbi“. Dieser Segen, der „der Stadt (Rom) und dem Erdkreis“ gewährt wird, ist ein Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten und nur zu drei Anlässen im kirchlichen Jahr vorgesehen: zu Ostern, Weihnachten und nach der Wahl eines neuen Papstes.

Während des Segens spricht der Papst eine kurze Botschaft, in der er auf die Bedeutung von Ostern eingeht und oft zu Frieden und Versöhnung in der Welt aufruft. Anschließend verliest er den eigentlichen Segen, der den Gläubigen und der ganzen Welt Gottes Gnade und Frieden zuspricht.

Der Ostersonntag ist somit nicht nur ein Tag der Freude und des Feierns, sondern auch ein Tag der Reflexion über die zentralen Themen des Christentums: Auferstehung, Erlösung und ewiges Leben. Die Osterzeit, die am Ostersonntag beginnt, ist eine Zeit der Freude und des Dankes, in der die Auferstehung Jesu in der Liturgie und im Leben der Gläubigen gefeiert wird.

Osterkorb mit bunten Ostereiern

Typisch österreichische Osterspeisen

Die österreichische Osterküche ist reich und vielfältig. Zu den traditionellen Speisen gehört der Osterschinken, der oft in Brotteig gebacken und dann zusammen mit frischem Kren (Meerrettich) gegessen wird. Weitere kulinarische Highlights sind das Osterbrot, eine Art süßes Brot, das mit Rosinen verfeinert wird, und die Osterpinze, ein luftiges Gebäck aus Germteig, das gerne zum Osterfrühstück serviert wird. Nicht zu vergessen sind die bunt bemalten Eier, die sowohl als Dekoration dienen als auch Teil der Ostermahlzeit sind. Eine Besonderheit in Österreich ist der Reindling, ein Kärntner Hefekuchen, der mit Zimt, Zucker und Rosinen gefüllt ist und traditionell zu Ostern serviert wird.

Osterschinken

Das Osterschinkenessen ist ein traditioneller Bestandteil der Osterfeierlichkeiten in vielen Kulturen. Der Osterschinken symbolisiert das Ende der Fastenzeit und ist Teil des festlichen Ostermahls, das am Ostersonntag genossen wird. Diese Tradition spiegelt die Freude über die Auferstehung Christi und den Beginn des Frühlings wider.

Üblicherweise wird der Osterschinken im Zuge der Fleischweihe geweiht und im Anschluss oder am Ostersonntat, verzehrt.

Zubereitung des Osterschinkens

Der Osterschinken wird traditionell aus einem Stück Schweinefleisch hergestellt, das gepökelt und anschließend gekocht oder gebacken wird. Die genaue Zubereitungsart kann regional variieren, wobei jede Familie oft ihr eigenes überliefertes Rezept hat. In manchen Regionen wird der Schinken zusammen mit anderen Osterspeisen, wie zum Beispiel Osterbrot (Osterpinze oder Osterstriezel), gefärbten Eiern und Meerrettich (Kren), am Karsamstag zur Kirche gebracht, um gesegnet zu werden.

Traditionelles Osterschinken-Rezept

Obwohl es viele Variationen gibt, folgt hier ein grundlegendes Rezept für einen traditionellen Osterschinken:

Zutaten:

  • 1 ganzer Schweineschinken (je nach Größe der Familie),
  • Lorbeerblätter,
  • Pfefferkörner,
  • Wacholderbeeren,
  • Knoblauch,
  • Wasser

Zubereitung:

  • Den Schinken gründlich waschen und in einen großen Topf legen.
  • Mit kaltem Wasser bedecken und die Gewürze hinzufügen.
  • Langsam zum Kochen bringen und den Schaum, der sich bildet, abschöpfen.
  • Bei niedriger Temperatur köcheln lassen, bis der Schinken weich ist (die Kochzeit hängt von der Größe des Schinkens ab; als Richtwert kann man etwa 30 Minuten pro 500 Gramm annehmen).
  • Den Schinken im Sud abkühlen lassen, um ihn saftig zu halten.

Servieren:

  • Den Schinken aus dem Sud nehmen, die Schwarte entfernen und nach Belieben in Scheiben schneiden.
  • Traditionell wird der Osterschinken kalt oder warm zusammen mit frischem Brot, Meerrettich und Ostereiern serviert.

Das Osterschinkenessen ist mehr als nur eine Mahlzeit; es ist ein Moment der Gemeinschaft und der Feier, der Familie und Freunde zusammenbringt. Es symbolisiert nicht nur das Ende der Fastenzeit, sondern auch die Erneuerung und das Leben, die mit der Osterbotschaft der Auferstehung einhergehen.

Traditioneller Osterschinken

Bräuche rund um den Osterhasen

Der Osterhase ist auch in Österreich ein zentrales Symbol des Osterfestes. Der Brauch, Eier zu bemalen und zu verstecken, geht auf alte Fruchtbarkeitssymbole zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mit der Figur des Osterhasen verbunden, der die Eier bringt. In vielen Familien ist es Tradition, dass am Ostersonntag die Kinder im Garten oder im Haus nach den versteckten, bunten Eiern und Süßigkeiten suchen, die der Osterhase angeblich in der Nacht versteckt hat. In der heutigen Zeit bleibt es zumeist nicht nur bei den Ostereiern, sondern werden auch Geschenke versteckt.

Kinder richten zum Teil am Vortag mit viel Liebe und Engagement im Garten auch Osternester aus Gras, Moos und Blätter, damit der Osterhase seine Präsente ablegen kann.

Fazit

Ostern in Österreich ist eine faszinierende Mischung aus religiöser Andacht und fröhlichen Frühlingsbräuchen. Es ist eine Zeit, in der Familien zusammenkommen, um gemeinsam zu feiern, zu schmausen und alte Traditionen zu pflegen. Von den feierlichen Gottesdiensten der Karwoche über die kulinarischen Genüsse bis hin zu den fröhlichen Spielen rund um den Osterhasen – Ostern ist in Österreich ein Fest, das den Kern der österreichischen Kultur und Tradition widerspiegelt.

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