Botanisch betrachtet ist der Kürbis keine Frucht im klassischen Sinn, sondern eine Beere — die größte, die es gibt. Diese kuriose Tatsache allein würde noch kein Fest rechtfertigen. Was den Kürbis in Österreich zu einem eigenen kulinarischen Herbstereignis gemacht hat, ist etwas anderes: die enge Verbindung zwischen der Pflanze, dem daraus gewonnenen Öl und einer Erntezeit, die sich hervorragend zum gemeinsamen Feiern eignet.
Dieser Artikel erklärt, warum der Kürbis in Österreich eine so besondere Stellung hat, welche Regionen die bekanntesten Kürbisfeste veranstalten und was man bei einem Besuch erwarten kann.
Warum hat der Kürbis in Österreich einen eigenen Stellenwert?
Der Kürbis ist in Österreich vor allem durch das Steirische Kürbiskernöl kulinarisch bedeutsam geworden — ein Produkt, das seit 1996 als geschützte geografische Angabe der EU registriert ist und die Steiermark zur bekanntesten Kürbis-Anbauregion des Landes gemacht hat.
Der sogenannte Ölkürbis, aus dessen Kernen das dunkelgrüne, intensiv nussige Öl gepresst wird, unterscheidet sich von den meist orangefarbenen Zierkürbissen, die man aus dem Frühherbst kennt. Er wird gezielt für seine Kerne angebaut, die eine besondere, schalenlose Sorte bilden — eine Züchtung, die im 19. Jahrhundert in der Steiermark ihren Ursprung hat. Das daraus gepresste Kürbiskernöl ist heute eines der bekanntesten kulinarischen Exportprodukte Österreichs.
Über die Steiermark hinaus wird der Kürbis in weiten Teilen Niederösterreichs angebaut, besonders im Weinviertel, wo er sich zu einem eigenständigen herbstlichen Anziehungspunkt entwickelt hat — nicht primär wegen des Öls, sondern wegen der Vielseitigkeit des Kürbisses in Küche und Dekoration.
Was passiert bei einem typischen Kürbisfest?
Kürbisfeste verbinden regionale Kulinarik mit Handwerk, Musik und Programm für Kinder — der Kürbis selbst erscheint dabei in nahezu jeder denkbaren Form, von der Suppe bis zum Kunstwerk.
Kulinarisch reicht das Angebot bei den meisten Kürbisfesten von klassischem Kürbisgulasch über Kürbisrisotto und Kürbispalatschinken bis zu Kürbisbier, Kürbislikör und Kürbisbowle. Landwirte aus der jeweiligen Region verkaufen ihre eigenen Produkte direkt vor Ort — von frischem Kürbiskernöl bis zu Kürbiskernen zum Rösten. Handwerksvorführungen und Kunsthandwerksmärkte gehören ebenso zum festen Programm wie größere Kürbisskulpturen, die aus Dutzenden Kürbissen zusammengesetzt werden und oft die Straßen und Plätze der Festorte säumen.
Für Kinder gibt es bei den meisten Kürbisfesten eigene Programmpunkte: Kürbisschnitzen mit anschließender Prämierung der besten Gesichter, Kutschenfahrten, Ponyreiten oder ein Kürbiswanderweg, der spielerisch durch das Festgelände führt.
Welche Regionen haben die bekanntesten Kürbisfeste Österreichs?
Was macht das Kürbisfest im Retzer Land besonders?
Das Kürbisfest im Retzer Land im nördlichen Weinviertel gehört zu den größten seiner Art in Österreich — ein mehrtägiges Fest, das Kürbiskulinarik direkt mit der Weinkultur der Region verbindet.
Das Fest findet üblicherweise über ein Wochenende im späten Oktober statt, verteilt auf mehrere Orte im Retzer Land, darunter die für ihre historischen Kellergassen bekannte Gemeinde Zellerndorf. Was das Retzer Land besonders macht: Die Kürbisfeste finden zum Teil direkt in den Kellergassen statt, wo Winzer parallel zur Kürbisküche auch ihren eigenen Wein ausschenken. Kürbisskulpturen, ein Festumzug und ein eigener Kürbiswanderweg durch die Weinberge gehören zum festen Programm. Die Nähe zum Weinviertel als einer der bedeutendsten Weinregionen Österreichs gibt dem Fest eine kulinarische Doppelrolle, die andere Kürbisfeste in dieser Form nicht bieten.
Kürbisfest im Retzer Land 2026
Datum: 24. bis 26. Oktober 2026
Ort: Obermarkersdorf und Maulavern Kellergasse, Zellerndorf (Ortsgebiet 2073 Obermarkersdorf)
Website: retzer-land.at
Was macht das Kürbisfest in Fürstenfeld besonders?
Das Kürbisfest in Fürstenfeld im steirischen Thermen- und Vulkanland setzt den Fokus stärker auf den Ölkürbis und das Steirische Kürbiskernöl als auf Dekoration und Kulinarik im weiteren Sinn.
Organisiert von einem lokalen Verein, findet das Fest an einem Tag im September statt, meist rund um den historischen Stadtkern von Fürstenfeld. Kürbisschnitzel, Kürbissuppe und andere Kürbisgerichte stehen im Mittelpunkt, ergänzt durch Kunsthandwerk und ein Gewinnspiel. Was das Fürstenfelder Fest von größeren Veranstaltungen unterscheidet: Es ist überschaubarer und stärker auf die lokale Erzeugergemeinschaft ausgerichtet, was ihm einen persönlicheren Charakter gibt als den größeren, mehrtägigen Kürbisfesten im Weinviertel.
Kürbisfest Fürstenfeld 2026
Datum: Samstag, 19. September 2026, ab 10:00 Uhr
Ort: Augustinerplatz / rund um die Mariensäule, Fürstenfeld
Website: steiermark.com
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch eines Kürbisfestes?
Kürbisfeste finden in Österreich überwiegend zwischen Mitte September und Ende Oktober statt — parallel zur Kürbisernte, die je nach Sorte und Witterung in diesem Zeitraum liegt.
Steirische Kürbisfeste wie jenes in Fürstenfeld beginnen meist im September, während die größeren Feste im Weinviertel, etwa im Retzer Land, traditionell erst im späten Oktober stattfinden — passend zur dortigen Weinlese, die zu dieser Zeit ebenfalls ihren Abschluss findet. Wer beides — Kürbis und Wein — an einem Ort erleben möchte, ist im Weinviertel im Oktober gut aufgehoben.
Welche Rolle spielt der Kürbis in der österreichischen Küche über die Feste hinaus?
Der Kürbis ist in Österreich längst nicht mehr auf die Festsaison beschränkt — Kürbiscremesuppe, geröstete Kürbiskerne und Kürbiskernöl gehören mittlerweile zum festen Repertoire vieler Haushalte und Gasthäuser im Herbst.
Was den Kürbis kulinarisch besonders macht, ist seine Vielseitigkeit: Er lässt sich süß wie herzhaft zubereiten, ergibt cremige Suppen ebenso wie geröstete Beilagen, und selbst die Kerne finden nach dem Auslösen und Trocknen weitere Verwendung — geröstet als Snack oder gepresst zu Öl. In der Steiermark hat sich daraus eine regelrechte Kürbisküche entwickelt, die weit über die Festtage hinausreicht und das ganze Herbst- und Winterhalbjahr prägt.
Häufige Fragen zu Kürbisfesten in Österreich
Warum wird der Kürbis als „größte Beere der Welt“ bezeichnet?
Botanisch zählt der Kürbis zu den Beerenfrüchten, da er aus einem einzigen Fruchtknoten mit vielen Samen entsteht. Da Kürbisse deutlich größer werden können als jede andere Beerenfrucht, gilt er als die größte Beere der Welt — eine botanische Kuriosität, die viele Kürbisfeste augenzwinkernd aufgreifen.
Was ist der Unterschied zwischen Ölkürbis und Zierkürbis?
Der Ölkürbis wird gezielt für seine schalenlosen Kerne angebaut, aus denen das Steirische Kürbiskernöl gepresst wird. Zierkürbisse, meist orangefarben, werden hingegen vor allem zur Dekoration und für die klassische Kürbisküche verwendet.
Welches ist das bekannteste Kürbisfest in Österreich?
Das Kürbisfest im Retzer Land im Weinviertel gehört zu den größten und bekanntesten Kürbisfesten Österreichs, unter anderem wegen seiner Verbindung von Kürbiskulinarik und der Weinkultur der umliegenden Kellergassen.
Eignen sich Kürbisfeste für Familien mit Kindern?
Ja — die meisten Kürbisfeste haben eigenes Kinderprogramm wie Kürbisschnitzen, Ponyreiten oder Kutschenfahrten. Für Kinder ist besonders das eigenhändige Schnitzen und die spätere Prämierung der Kürbisgesichter oft ein Höhepunkt des Besuchs.
Was sollte man bei einem Kürbisfest probieren?
Kürbisgulasch, Kürbisrisotto und Kürbispalatschinken gehören zu den verbreitetsten kulinarischen Angeboten. Wer das Steirische Kürbiskernöl noch nicht kennt, sollte es pur oder über einer einfachen Vorspeise probieren — die Intensität des Öls erschließt sich am besten unverdünnt.
Wie unterscheidet sich das Kürbisfest in der Steiermark von jenem im Weinviertel?
Steirische Kürbisfeste wie in Fürstenfeld legen den Fokus stärker auf den Ölkürbis und das Kürbiskernöl, während die Feste im Weinviertel, etwa im Retzer Land, breiter aufgestellt sind und Kürbiskulinarik direkt mit der regionalen Weinkultur verbinden.
Fazit
Kürbisfeste zeigen, wie aus einer einzelnen landwirtschaftlichen Kultur ein eigenständiger kulinarischer Herbstbrauch entstehen kann — getragen von Erzeugergemeinschaften, die ihre Produkte nicht nur verkaufen, sondern mit Musik, Handwerk und Programm für die ganze Familie feiern. Wer Österreich im Herbst abseits von Wein und Almabtrieb erleben möchte, findet in den Kürbisfesten des Weinviertels und der Steiermark eine eigene, unterschätzte Facette der österreichischen Genusskultur.
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